Wie können wir bewusster werden
Viele wollen bewusster werden, doch wissen nicht, wie sie bewusster werden können. Unser erstes bewusst werden läuft über den Verstand, was Zeit benötigt. Wir müssen wieder lernen, aus den psychischen Automatismen auszusteigen. Dies gelingt, indem wir innehalten und anfangen zu beobachten, was gerade ist.

Als kleines Kind haben wir auch zuerst wahrgenommen, bevor wir in Aktion gegangen sind. Sind wir erwachsen, haben wir diese Form des Wahrnehmens verlernt. Wir achten nicht mehr auf die Situation, sondern nur noch auf den Verstand. Glauben wir wüssten bereits was ist und überspringen das Wahrnehmen. Wollen wir bewusster werden, führt uns der erste Schritt auf die Wahrnehmung zurück. Wir müssen wieder lernen, was wir als kleines Kind bereits konnten. Nur wendet sich dieses Mal die Wahrnehmung nicht nach außen in die Welt, sondern nach innen. Wir beobachten unsere innere Welt – die Psyche. Indem wir beobachten, lernen wir wieder bewusster wahrzunehmen und nicht mehr automatisch auf die psychischen Impulse zu reagieren. Nur so können wir erkennen, was gerade los ist. Erkennen wir was in uns abläuft, können wir unsere Reaktion selbst gestalten.

Leseprobe aus: Das Buch des bewusst seins, Seite 39 - 41


Bewusstwerdung findet über ein Erkennen der Psyche statt

Die Psychologie geht davon aus, dass es kein bewusst sein außerhalb des mentalen bewusst seins gibt, während viele Bewusstseinsvertreter die Psyche negieren. Obwohl beides aufeinander einwirkt, wird die andere Seite häufig ignoriert und abgespalten. Letztendlich kommen wir nicht weiter, wenn wir bewusst sein und Psyche voneinander getrennt halten. Folgen wir einer reinen psychischen Selbstreflexion, gelangen wir nicht über den niederen Bewusstseinsbereich hinaus. Denn in der Psychologie kommt es nicht vor, dass man die Psyche einfach nur beobachten könnte. Folgen wir dem bewusst sein und ignorieren die Psyche dabei, gehen wir ebenso fehl. Wir gelangen zwar in höhere Bereiche, doch ignorieren wir die Psyche, werden wir blind ihrem Treiben gegenüber. Schlussendlich werden wir auch hier von der Psyche ausgebremst. Beachten wir die Psyche nicht, besteht die Gefahr, dass wir die psychischen Impulse ausagieren, ohne uns dessen bewusst zu sein.

Solange wir das innere psychische Treiben nicht erkennen, wirkt die Psyche ungehindert auf uns ein. Dann macht es keinen Unterschied, auf welcher Bewusstseinsebene wir uns befinden. Denn die Psyche reagiert auf allen Ebenen. Sind wir uns dessen nicht bewusst, drücken wir die psychischen Impulse ungefiltert aus, was nichts anderes bedeutet, als dass uns die Psyche lenkt. Agieren wir die psychischen Impulse aus, ist es im Grunde egal, auf welcher Ebene wir uns befinden. Wir reagieren auf die Psyche. Lediglich der psychische Ausdruck verändert sich. Im Unbewussten reagieren wir auf die Spaltung, im mentalen auf den Verstand, im emotionalen auf das Gefühl, im leeren auf die Leere. Die Psyche reagiert immer, sie reagiert nur auf unterschiedliche Rahmenbedingungen.

Sind wir bewusst, ist es egal, auf welcher Ebene wir uns befinden. Es zählt nicht die Bewusstseinsebene, sondern unser bewusst sein. Bis ins leere bewusst sein hinauf können wir gleichermaßen bewusst wie nicht bewusst sein. Lediglich in der Nicht-Existenz gibt es kein getrenntes bewusst sein mehr. Wir glauben zwar immer, das leere bewusst sein steht über den anderen Bewusstseinsebenen, das ist aber nicht der Fall. Denn die Psyche reagiert im leeren bewusst sein immer noch. Sucht der Verstand hier nach Inhalten, greift er ins Leere – wodurch wir in allem die Leere erkennen. So wie ein Handelnder in allem etwas zu tun erkennt. Sogar im leeren bewusst sein können wir immer noch automatisch auf die Psyche reagieren.

Jede Bewusstseinsebene hat ihre Berechtigung, denn sie zeigt uns Bereiche des menschlichen Lebens. Sind wir bewusst, können wir von jeder Ebene lernen. Anfangs geht es darum, zu erkennen, wie sich unsere Psyche laufend verändert. Erkennen wir die Veränderung, braucht die Psyche unsere Unterstützung. Unser Erkennen kann die Psyche nicht verwerten. Erst durch ständiges Wiederholen des Erkannten lernt schlussendlich auch die Psyche hinzu.   

In dem Moment, in dem wir erkennen, dass wir von der Psyche beeinflusst werden, beginnt eine Veränderung. In dem Moment, in dem uns bewusst wird, dass all dies geschieht, ohne dass ein „Ich“ daran beteiligt ist, findet eine Transformation statt. Unser bewusst sein verändert alles, denn es verändert uns selbst. Die Bewusstseinsebenen wirken sich weiterhin gleich aus, aber sie beherrschen uns nicht mehr.
 

Weitere Details finden Sie im Buch des bewusst seins.
©  Mag. Brigitte Fuchs